Corona Cut

Es war nur eine Frage der Zeit, bis wir hier im Flussbau alle ein haariges Problem haben würden.

Und tatsächlich ist der grosse Wassermann als Erster vom wuchernden Wildwuchs befallen. Kein Wunder, das letzte Mal, wie er seinen Fuss in einen Coiffeur Laden setzte, schrieb man das Jahr 2019.

«Ich sehe aus wie ein böser Waldschrat, die Haare müssen ab und zwar am besten jetzt.»

«Kein Problem, ich mach das»,  bietet sich die Flussfrau gleich selber an und will umgehend im Büro die Schere holen.

«Also ich weiss nicht so recht», druckst der grosse Wassermann herum. «So was kann auch mächtig schief gehen.»

«Und wie das schief gehen wird!  Schau die nur die Föteli aus meiner Kindheit an. Alles schief, ein Verbrechen auf Kinderhaupt ist das!» mischt sich wenig diplomatisch der junge Wassermann ein.

In der Tat sprechen die Fotos des kleinen Wassermannes nicht für die Figaro-Künste seiner Mutter. Abenteuerlich stand dem Kleinen das schüttere Haar damals in allen Längen vom Schädel.

«Das war auch schwierig! Du hattest ja nur zwei, drei dünne Härchen auf dem Kopf und stillgehalten hast du auch nie. In den vollen Locken meines Liebsten hingegen kann man gar keinen Schaden anrichten.»

«Ich will aber nicht, dass ihr in meinen Haaren rumschnipselt, das sieht am Ende aus, als hätten die Mäuse sie angefressen. Der Kopf wird rasiert, das ist die schnellste und sauberste Lösung.» Ganz offensichtlich ist die Frisur des Liebsten nicht verhandelbar.

«Also scheren werde ich dich nicht, du bist schliesslich mein Mann und kein Schaf», zieht die Flussfrau leicht verschnupft von dannen.

Und natürlich halten die Männer zusammen und beschliessen unisono, die Verantwortung des Barbiers in die Hände des jungen Wassermanns zu legen. Mann einigt sich auf 6 mm und darauf, die Maschine umgehend anzusetzen. Und so rasch der Entscheid gefasst und in die Tat umgesetzt, so schnell gibt der Rasierer in der üppigen Mähne seinen Geist gleich wieder auf.

«Zuwenig Kapazität», meint fachkundig der Friseur und betrachtet den rauchenden Rasierer.

«Mach weiter, das muss jetzt einfach gehen», antwortet nervös der mit der Schneise am Kopf.

Da wittert die lauschende Flussfrau ihre Chance und ruft triumphierend aus dem Büro:» «Wusst’ ich’s doch, man muss das Haar zuerst kürzen!»

Der junge Wassermann zwinkert dem grossen listig zu und ruft zurück: «Könntest du das vielleicht übernehmen, cara mammina?»

«Aber natürlich, meine Lieben», geht die Mama ihren Männern auf den Leim und eilt, die Schere in der Hand, frohgemut zu Hilfe.

Und so legen im Flusssalon gleich zwei Fachkräfte Hand am Kunden an: Die Mutter, die sich mit der Schere den Weg durch die Lockenpracht ihres Gatten bahnt und der Sohn, der ihr mit dem Rasierer folgt. Und nach dieser ausserordentlichen Teamarbeit ziert tatsächlich eine akkurat geschnittene Bürste das Haupt des grossen Wassermannes.

«Sehr schön», meint dieser zufrieden mit Blick in den Spiegel.

«Total cool, das will ich auch», antwortet der Jungspund begeistert.

«Zwei der drei Haarprobleme hätten wir sodann gelöst», fasst der Wassermann sachlich zusammen und blickt erwartungsvoll auf seine Flussfrau:

«Und für die Lösung des dritten, sorge ich gleich selber: Ich hab da gestern auf You Tube so ein Filmchen gesehen, «Stufenschnitt bei langem Haar, sei dein eigener Hairstylist!»  Liebe Männer, das geht ganz leicht, da kann nichts schief gehen, ein Kinderspiel ist das!»  Und rauscht, bevor die Einwände auf sie einprasseln, beschwingt mit ihrer Schere ins Bad.

Aber da beginnt jetzt schon eine neue, ganz andere Geschichte …

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