Auf zu neuen Ufern, bye bye Birs…

Vier reiche Jahre lang warst du unser Fluss. Du hast uns verwöhnt mit deinem Fliessen, Rauschen und Strömen. Wir haben uns nie sattsehen können an deinen Weiden, Steinen und Sandbänken und auch nicht an deinen hübschen tierischen Bewohnern im und am Wasser.

Du warst Heimat für den kleinen Wassermann, der dank dir zum Schwimmer, Taucher und gar verwegenen Matrosen heranwuchs. Beladen mit der ganzen Flussfamilie schipperte er sein Schlauchboot an warmen Tagen sicher Richtung Rhein. Und von der Mündung aus träumend weiter bis nach Rotterdam. So wurdest du ganz nebenbei Inspiration für Legenden von Birshammerhaien und andern quellenden Geschichten.

Und du warst Paradies für unsern König. Er hat dich als seinen Fluss stets rennend und spielend bewacht und dich dabei zuverlässig als sein Revier beschnüffelt, bepinkelt und notfalls verteidigt. Derweil der grosse Wassermann Nacht für Nacht dein stiller Sterngucker war. Oder Regenschmecker, je nach Wetterlage und dabei sanft seufzte, da grosse Worte nicht sein Ding. Im Gegensatz zur Flussfrau, die sich im ersten Winter an deinem Ufer gar im Wunderland wähnte und dies mündlich und schriftlich in alle Richtungen kundtat.

Kurzum, du bist ein überaus gütiger Fluss und warst vor allem uns der aller, allerbeste Fluss!

Aber leider sind nicht alle deiner Besucher gut zu dir. Ach, was schreib ich hier von Besuchern, Besetzer ist als Bezeichnung für viele von ihnen eindeutig das treffendere Wort. Besetzer kommen, annektieren und verwüsten nicht selten, die Ländereien in die sie einfallen. Und genau das passiert dir liebe Birs von März bis Oktober und bei jedem noch so kurzen Sonnenstrahl. Die Flussfrau hat versucht, damit klarzukommen. Schreibend und fluchend. In der ersten Zeit gar erbost der Polizei telefonierend. Erfolglos, leider. Deshalb infolge wegschauend, weghörend, wegriechend. Und schlussendlich grossartig scheiternd.

War zuerst wütend, dann traurig, zu guter Letzt resigniert. Und jetzt erleichtert, da zumindest für sich und ihre Familie eine Lösung gefunden und ein Ende der Leiden in Sicht:

Diesem Ausgeliefertsein von Mittag bis Mitternacht. Den Horden von Birsbelagern und ihren Bierdosen. Den stinkenden Einweggrills und den modernden Joints, dem Rap und dem Bass, die mit zunehmenden Promille zunehmend lauter. Und dem Gelalle und Gegröle der Partylöwen und ihrem Urin in den Weiden.

Und der Katerstimmung am Morgen danach: Wenn die Flussfrau um sechs Uhr früh mit dem König als erstes über eine leere Wodkaflasche stolpert. Und sie einmal mehr fast der Schlag trifft. Weil ausser den Brandschatzern noch alles da: Grill, Dosen, Knochen, Brot, Ketschup, Teller und Besteck garniert mit tausend Stummeln und ordentlich Senf obendrauf.  Und sich ihr Herz zusammenzieht, weil man dich so schlecht behandelt, obwohl du uns alle so sehr verwöhnst.

Dann könnte sie kotzen. Und ich mit ihr. Lang und das an jedem sonnigen Tag aufs Neue. Und merke irgendwann, dass ich das nicht mehr auf die Reihe kriege. Weil ich die Abgrenzung von dieser schamlosen Ausbeutung deiner Schönheit trotz allem Suchen nicht finde.

Und haben uns deshalb entschlossen weiter zu ziehen. Weiter weg, aufs Land. Dort wo Rhein und Ergolz sich treffen. Und die ganze Umgebung schon vor Jahren zum Naturschutzgebiet erklärt.

Weil eine Flussfamilie eine Flussfamilie ist und bleibt. Und man gar nicht weiss, ob sie abseits des Wassers je wieder glücklich werden würde. Deshalb brechen wir zwar hier unsere Zelte hier ab, wagen aber den Neuanfang Richtung Osten an einer anderen Mündung.

Auf Wiedersehen liebe Birs und danke für alles!

Herzlich deine vier grössten Fans.

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