Advent, Advent ein Schneemann blinkt!

„Er blinkt, er blinkt, der Schneemann blinkt“, ruft der kleine Wassermann und die Flussfrau freut sich, juhui die Weihnachtszeit ist eingeläutet. Der funkelnde Schneemann hängt im Fenster des gegenüberliegenden Hauses auf der andern Flussseite und der grosse Wassermann brummelt, „oh je, es geht los, rette sich wer kann.“

Und tatsächlich wird es nächtlich heller rund um die Birs: Sternchen, Lämpchen, Fassaden flitzende Rentiere und Santigläuse, die Balkone entern, in allen Farben, Formen und Materialien. Die festliche Fantasie der Flussbewohner kennt keine Grenzen, Hauptsache es leuchtet in der heiligen Zeit. Und der grosse Wassermann weiss, es kommt noch schlimmer.

Dann nämlich, wenn die Flussfrau die Kiste mit der Aufschrift „Weihnachtsdeko“ aus dem Keller holt. Und der kleine Wassermann erst sich und dann seiner Mama die Weihnachtsmütze aufsetzt. Danach schnurstracks die CD laufen lässt. Diejenige welche… im Flussbau so unersetzbar ist, wie der Weihnachtsbaum selbst. Und das Elend mit Wham! steil startet und das Schicksal mit Mariah Carey seinen tragischen Lauf nimmt. Mutter und Kind aus voller Kehle mitsingen. Laut und falsch, Jahr für Jahr. Mit verklärtem Blick und rosigen Wangen Kugel um Kugel an das Bäumchen hängen. Sich dazu Geschichten erzählen vom abenteuerlichen Weg des Schmuckes bis in die Flussstube. Ebenfalls jährlich dieselben, versteht sich. Lauter unglaubliche Märchen aus Tausendundeiner Nacht, dessen ist sich der grosse Wassermann sicher.

Und die Märchentanten als Höhepunkt aus der Kiste die Krippe kramen, die der kleine Wassermann einst im Kindsgi gebastelt. Mit dem einarmigen Josef und der drei Kopf grösseren Maria. Sich jetzt schief lachen über das Hängebauchzebra, welches den Esel mimt. Mit vollem Einsatz jedes Jahr aufs Neue. Und die beiden Zipfelmützen das so witzig finden, dass sie sich gar nicht mehr einkriegen vor lauter Glucksen und Gigelen.

Dann weiss der grosse Wassermann, der Zenit seines weihnächtlichen Leidens ist demnächst überschritten, es kann nur noch besser werden. Zudem ist die CD bald zu Ende. Elivis macht wie immer das Schlusslicht. Und der kleine Wassermann sagt,“ Mami dieses Jahr ist der Baum aber besonders schön geworden, gell!?“ Und die Mutter meint gar, es sei der schönste aller Zeiten. Auch dies der alljährlich wiederkehrende Text.

Bis König Kimi mit Renntierohren aus dem Körbchen steigt und gähnt, ausserplanmässig. Und der grosse Wassermann denkt, er sehe nicht heiter. Und Mutter und Sohn sich vor Stolz fast überstellen, über diese gelungene Überraschung so aus dem Nichts. „Die sind neu“, sagt der kleine Wassermann überflüssigerweise. „Sind die nicht der Hammer? Die gehören ab sofort zum Repertoire.“

Da ergibt sich der grosse Wassermann endlich, klaut die Mütze vom Kopf der Flussfrau und geht mit dem Rentier spazieren.

Wunderbare Weihnachtszeit euch allen!