{"id":481,"date":"2019-05-12T15:07:38","date_gmt":"2019-05-12T13:07:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.corinnemaiocchi.ch\/?p=481"},"modified":"2019-05-12T15:10:16","modified_gmt":"2019-05-12T13:10:16","slug":"die-saga-vom-suendenbock-episode-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.corinnemaiocchi.ch\/?p=481","title":{"rendered":"Die Saga vom S\u00fcndenbock &#8211; Episode 2"},"content":{"rendered":"<p>Ihr erinnert euch bestimmt an unsern G\u00f6ck, wie er in der prallen Sonne stand, keuchend und schwitzend und mausbeinallein. Abgesehen nat\u00fcrlich von dem Geier auf dem Kaktus. Und der ausgiebigen S\u00fcndenvesper auf seinem Buckel, aber von beiden war selbstredend keine Hilfe zu erwarten.<\/p>\n<p>Man mag dem Protagonisten an dieser Stelle eine f\u00e4hige Fee w\u00fcnschen, aber nat\u00fcrlich war keine da, grad wie im echten Leben nur selten eine gute Hexe auftaucht, wenn man dringend eine br\u00e4uchte.<\/p>\n<p><em>Doch zum Gl\u00fcck ist unser B\u00f6ck ein hartn\u00e4ckiger Held und deshalb sagte er zu sich selber: \u00abG\u00f6ck, es sieht grad ziemlich scheisse aus f\u00fcr dich, also gib alles, um deinen bescheidenen Pelz zu retten.\u00bb<\/em><\/p>\n<p><em>Sich heftig sch\u00fcttelnd, entledigte er sich der Lasten auf dem R\u00fccken und traute seinen Augen kaum, welch k\u00f6niglich S\u00fcndenregister sich da auf dem W\u00fcstenboden auftat!<\/em><\/p>\n<p><em>Und zum ersten Mal kam G\u00f6ck der Verdacht, dass der ganze Verfehlungskatalog weniger mit ihm als Bock als vielmehr mit den bl\u00fctenweissen Sch\u00e4fchen selbst zu tun haben k\u00f6nnte. Da \u00fcberkam ihn eine leise Leichtigkeit und es stellte sich ihm eine mutige Frage: \u00a0Was, wenn er gar kein mangelhafter Furzi war? Kein sturer Bock und kein Sorgenkind? Sondern ein stinknormaler, liebenswerter Geissbock? \u00a0Und da gesellte sich zur Leichtigkeit die Heiterkeit und G\u00f6ck setzte seinen Weg durch die W\u00fcste fort, zuversichtlich und darauf vertrauend, dass am Ende dieses beschwerlichen Ganges ein neuer Anfang auf ihn warten w\u00fcrde. Und tats\u00e4chlich erreichte G\u00f6ck am siebten Tag seiner Wanderung eine Oase, an deren Eingangstor folgende Inschrift geschrieben stand:<\/em><\/p>\n<blockquote><p><em>\u00abWir gehen zur Stadt der Zukunft\u00bb, sprach das Leben. Daraufhin bat ich: \u00abHab Mitleid mit mir, o Leben. Ich bin schwach, meine F\u00fcsse sind wund, und meine Kr\u00e4fte verlassen mich.\u00bb Doch das Leben erwiderte: \u00abGeh nur vorw\u00e4rts , mein Freund. Z\u00f6gern bedeutet Feigheit. Und es ist eine Torheit, stets auf die Stadt der Vergangenheit zur\u00fcckzublicken. Sieh nur, die Stadt der Zukunft winkt.<br \/>\nKhalil Gibran<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><em>Da tat G\u00f6ck einen formvollendeten Sprung und trat &#8211; ohne zur\u00fcckzusehen &#8211; in die Stadt der Zukunft ein.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00abSo ist es gut.\u00bb meinte zufrieden der kleine Wassermann und w\u00e4re vor Erleichterung beinahe sofort eingeschlafen.<\/p>\n<p>\u00abDu Mama\u00bb, f\u00fcgte er jedoch g\u00e4hnend noch an. \u00abIst der G\u00f6ck nun ganz allein in der Stadt der Zukunft? Ich meine, es w\u00e4re doch sch\u00f6n, er h\u00e4tte eine Familie oder einen Freund oder am besten beides.\u00bb<\/p>\n<p>Und die Flussfrau k\u00fcsste ihren Sohn und antwortete: \u00abMein lieber Schatz, \u00fcberliefert ist nichts, zumindest hat man bis heute keine weitere Pergamentrolle gefunden. Aber ich bin mir sicher, dass in der Stadt der Zukunft eine ganze Herde bunter B\u00f6cke auf ihn wartete!\u00bb<\/p>\n<p>Da l\u00e4chelte der kleine Wassermann und sagte, \u00abIch habe dich unendlich lieb, Mama!\u00bb Und das Herz der Flussfrau machte einen g\u00f6ckschen Sprung und sie sagte: \u00abIch dich auch, mein kleiner Wassermann, und wie!\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ihr erinnert euch bestimmt an unsern G\u00f6ck, wie er in der prallen Sonne stand, keuchend und schwitzend und mausbeinallein. Abgesehen nat\u00fcrlich von dem Geier auf dem Kaktus. Und der ausgiebigen S\u00fcndenvesper auf seinem Buckel, aber von beiden war selbstredend keine Hilfe zu erwarten. 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