{"id":268,"date":"2015-07-22T12:00:06","date_gmt":"2015-07-22T10:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress2.corinnemaiocchi.ch\/?p=268"},"modified":"2016-08-09T22:28:28","modified_gmt":"2016-08-09T20:28:28","slug":"der-murmelibau-ein-konig-kimi-blog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.corinnemaiocchi.ch\/?p=268","title":{"rendered":"Der Murmelibau (Ein K\u00f6nig Kimi-Blog)"},"content":{"rendered":"<p>Wenn einer eine Reise tut, so kann er durchaus in einem dunklen Loch enden.<\/p>\n<p>Dabei hatte alles angefangen wie gehabt: Der Wassermann holte die Koffer aus dem Keller, die Flussfrau packte und packte und packte und der kleine Wassermann sang anschliessend im Auto lauthals sein Ferienlied. Nat\u00fcrlich habe ich auch wieder gekotzt, nur nicht mehr \u00fcber den kleinen Wassermann (der sitzt jetzt ausserhalb der Schusslinie, vorne neben dem grossen Wassermann), sondern in ein Beckeli, welches mir die vorausschauende (und neuerdings neben mir sitzende) Flussfrau freundlicherweise vor die Schnauze hielt, wenns hochkam. Anf\u00e4nglich frohlockte mein Rudel richtiggehend \u00fcber mein gezieltes Kotzen. Doch irgendwann wurde es der Flussfrau,vom vielen ins Beckeli schauen, selber hundeelend und der grosse Wassermann musste sein Auto nach jeder zweiten Kurve an den Strassenrand fahren. So dauerte auch diese Reise qualvoll lange, und die Flussfrau st\u00f6hnte, nie nie nie mehr fahre sie nach Saas Fee, jetzt sei es ihr endg\u00fcltig und f\u00fcr alle Zeiten verleidet. Und als wir dann die Berge sahen und die Bergluft rochen, waren alle wieder gl\u00fccklich und sich einig, dass sich auch diese M\u00e4rtyrerfahrt voll und ganz gelohnt hatte.<\/p>\n<p>T\u00e4glich nach dem Fr\u00fchst\u00fcck schn\u00fcrten die Zweibeiner ihre Schuhe und auf gings \u00fcber Wiesen und Trampelpfade, B\u00e4chen und Seen entlang. Nat\u00fcrlich \u00fcbernahm ich die Sp\u00e4herfunktion, denn ohne mich und meine gute Nase h\u00e4tten sich die St\u00e4dter doch an jeder zweiten Wegbiegung verlaufen. Nat\u00fcrlich war ich ab und zu etwas abgelenkt, so herrlich roch es an allen Ecken und Enden. Und w\u00e4hrend mein Rudel die Bergblumen bestaunte, folgte ich bet\u00f6renden Ger\u00fcchen. Es duftete einladend, aufregend und neu und komplett anders als jede H\u00fchner- und Entenspur.<\/p>\n<p>Einmal da entdeckten die Zweibeiner eine so interessante Pflanze, dass sie mich total vergassen. Und da mir ausgerechnet in diesem Augenblick wieder dieser anregende Geruch in die Nase stieg, vergass ich meine Menschen ebenfalls und mein J\u00e4gerherz ging mit mir durch. Ich war dem unbekannten Duft so nahe wie nie zuvor, also gab ich Gas und konzentrierte mich voll und ganz auf die verlockende Spur. Es wurde eng und enger und dunkel und dunkler um mich herum und pl\u00f6tzlich war ich in besagtem Loch gefangen. Keinen Millimeter mehr konnte ich mich bewegen. Und vor mir (in einem Spalt so klein wie ein Mauseloch) sass ein Murmeli, das mich unversch\u00e4mt frech angrinste. Dem h\u00e4tte ich gerne gezeigt, wer der K\u00f6nig der Berge ist, aber meine Lage war leider gerade alles andere als majest\u00e4tisch. Zudem h\u00f6rte ich von weit her mein Rudel rufen. Zuerst nur die Flussfrau, dann auch den kleinen Wassermann und schliesslich alle durcheinander: \u201eKimi, hier. Kimi, Fuss. Kimeli, kumm, G\u00fcdeli. Kimi wo bisch, gib doch Antwort! Kimeli, mhhhhh Fleischli.\u201c Hin- und her gerissen zwischen Murmeltier und Cervelat heulte ich meinem Rudel aus der H\u00f6hle empor und der kleine Wassermann erschrak und mutmasste, ich sei wohl schlimm verletzt und halb tot und fing ganz bitterlich an zu weinen. Darauf heulte ich zur\u00fcck, und bald war auf 2200 Metern \u00fcber Meer ein Riesengeflenne.<\/p>\n<p>Der grosse Wassermann versuchte nun in die H\u00f6hle zu kriechen, was er aber ziemlich schnell wieder aufgab, weil jetzt die Flussfrau zu jammern anfing, er solle ja aufpassen, sie wolle nicht, dass zwei ihrer drei M\u00e4nner f\u00fcr immer und ewig in diesem Loch verschollen blieben. Und der kleine Wassermann weinte immer lauter, bis der grosse Wassermann entschied: Es reicht, jetzt rufen wir die Polizei!<\/p>\n<p>Der Polizist am andern Ende der Leitung meinte, selbstverst\u00e4ndlich w\u00fcrde man den Hund retten, in dieser H\u00f6he allerdings nur mit dem Helikopter und das Ganze w\u00fcrde ganz sch\u00f6n teuer werden. Der grosse Wassermann antwortete, es sei ihm egal, was es koste, Hauptsache sein H\u00fcndchen w\u00fcrde sicher geborgen.<\/p>\n<p>Da wusste ich, dass es allerh\u00f6chste Zeit war, zu meinem Rudel zur\u00fcckzukehren. Also gab ich mir einen Ruck und presste mich Richtung Ausgang hoch, was gl\u00fccklicherweise funktionierte. Vor der H\u00f6hle lief ich mit meinem Hintern direkt in die Arme der Flussfrau. Und der grosse Wassermann sagte zu dem Polizisten, die Sache habe sich erledigt, der Hund sei eben wieder aufgetaucht. Der kleine Wassermann weinte nun vor Freude und die Flussfrau schrie mich an: \u201eDu bl\u00f6de Siech!\u201c Ja, Freunde, ihr habt richtig gelesen. Sie sagte nicht, \u201eOh mein Sch\u00e4tzeli, oh mein lieber, guter, mein bester Hund, endlich bist du wieder da.\u201c Nein, sie nannte mich, K\u00f6nig Kimi von der Birs, e bl\u00f6de Siech. Und einen Moment lang \u00fcberlegte ich mir ernsthaft, in den Bau zur\u00fcckzukehren. Doch dann sah ich, dass die Flussfrau Tr\u00e4nen in den Augen hatte, und beschloss, ihr die wenig herzliche Begr\u00fcssung zu verzeihen.<\/p>\n<p>Am Abend dann, nach dem Alpabstieg, den ich (wie kleinlich)an der Leine begehen musste, wurde ich von allen geh\u00e4tschelt und gekrault und mit einer dicken Bellwurst belohnt. Und endlich fand auch meine Flussfrau wieder die passenden Worte: \u201eOh mein lieber Bubeli, was hast du uns nur f\u00fcr einen Schrecken eingejagt, zum Gl\u00fcck bist du wieder da, was h\u00e4tten wir bloss ohne dich gemacht, du liebstes H\u00fcndchen aller Zeiten!\u201c<\/p>\n<p>Und so beschloss ich, das Abenteuer Murmelibau als k\u00f6niglichen Erfolg auf der ganzen Linie zu verbuchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn einer eine Reise tut, so kann er durchaus in einem dunklen Loch enden. Dabei hatte alles angefangen wie gehabt: Der Wassermann holte die Koffer aus dem Keller, die Flussfrau packte und packte und packte und der kleine Wassermann sang anschliessend im Auto lauthals sein Ferienlied. 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