Landeier (Ein König Kimi-Blog)

Falls es da draussen auch nur ein einziges nostalgisches Wesen gibt, welches sich ab und zu fragt, was wohl aus der Flusstruppe und ihrer königlichen Führung geworden ist, so werde ich mit Freuden für diese treue Seele endlich mal wieder in die Tasten hauen.

Der Umzug aufs Land – vor bald zwei Jahren! – ging zackig über die Bühne und obwohl die Flussfrau unglaubliche Angst hatte, die Birs auf immer und ewig zu vermissen, und mit einem zumindest halbwegs gebrochen Herzen aufs Land zu reisen, war sie die Erste, die zwischen Rhein und Ergolz zum leidenschaftlichen Landei erblühte. Ja, nicht mal eine einzige klitzekleine Träne weinte sie dem alten Fluss nach, diese treulose Tomate, so sehr war sie damit beschäftigt, die neuen Ländereien und die weiten Wasser zu entdecken und zu bestaunen.

Der kleine Wassermann tat sich da schwerer, vielleicht auch, weil der Umzug in eine Zeit fiel, in der er gross wurde (aktuell 173cm) und man bekanntlich bei diesen verheissungsvollen Zentimetern lieber in der Stadt in Clubs abhängt, als in einem Naturschutzgebiet dem Biber aufzulauern oder mit der Mutter die Eier beim Bauern zu holen und die Himbeeren direkt vom Feld zu pflücken.

Dem Naturell des grossen Wassermanns jedoch kam die ländliche Ruhe wiederum entgegen. Wenig Menschen und viel Natur und ein solider Wassermannbau mit integrierter Werkstatt. Und mehr braucht ein echter Wassermann bekanntlich nicht für sein wortloses Glück.

Ja, und somit sind wir endlich bei mir angelangt, dem König im Exil und wer glaubt, dass ich das Treiben und die Raufereien in meinen alten Besitztümern vermisse, der irrt gewaltig. Denn schliesslich gibt es eine Zeit für alles: Die Birs, meine Lieben, das war Sturm und Drang. Der Rhein hingegen ist Dolce Vita.

Wisst ihr, hier im Naturschutzgebiet gehen wir Hunde an der Leine. Das heisst, wir kommen uns selten nahe, was mir grad recht ist. Nicht dass ich per se etwas gegen meine Artgenossen hätte, oh nein, aus der Distanz betrachtet, finde ich die meisten von ihnen ganz passabel. Aber ich habe mittlerweile eine gewisse Reife, und die verbietet mir entschieden, Hinz und Kunz an meinem Hintern schnuppern zu lassen. Viel lieber brauche ich zwischenzeitlich auch meine eigene Nase für Spurensuche. Eine äusserst spannende und lukrative Angelegenheit vor allem hier, wo sich Fuchs und Hase nicht nur im übertragenen Sinne gute Nacht sagen.

Was meinen verlorenen Titel angeht, so sage ich euch, was solls, man überlebts. Früher hat man mich als König erkannt. Das tat dem Ego natürlich gut. Heute schnüffle und schnuppere ich mich dafür unerkannt durch mein ländliches Leben. Das ist Freiheit pur und entspannt ungemein.

«Der Hund litt unter Dichtestress», erklärte unlängst die Flussfrau wissend dem grossen Wassermann. «Wie ruhig und ausgeglichen der ist, seit wir in Augst wohnen, unglaublich!» Und der grosse Wassermann lachte und meinte, dass auch in unserm Falle das Verhalten des Hundes fadengerade auf die Befindlichkeit des Herrchens oder eben der Flussfrau zeige.

Und da er einmal mehr in aller Ruhe die glasklare Wahrheit gesprochen hatte, widersprach ihm niemand, noch nicht einmal die rebellischen 173 cm.

Wer jetzt aber zum Schluss kommt, unser Leben auf dem Lande gleiche einem drögen Teich, der bewegungslos vor sich hindümple, zieht voreilige Schlüsse. Denn mit oder ohne Krone bin ich noch immer Kimi, Terrier aus Leidenschaft und somit stets auf der Suche nach dem nächstbesten Abenteuer. Und davon sind mir auch hier schon so einige begegnet…

Also bleibt dran, es lohnt sich. Bis bald.

Euer Country Kimi

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